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5,1 Millionen Binnenvertriebene in der Ukraine: Der Bedarf nach finanzieller Unterstützung ist groß

Oleksandra aus der vom Krieg zerstörten Stadt Bachmut. Sie sitzt auf ihrem Bett in dem Kinderwohnheim, das zu einem Kollektivzentrum für Vertriebene in Dnipro umfunktioniert wurde. Dort lebt sie jetzt. Foto: IOM 2023/Raber Aziz

Genf/Kyiv – Laut dem neuesten Bericht zur Binnenvertreibung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind fast 5,1 Millionen Menschen in der Ukraine auf der Flucht. Weitere 4,76 Millionen Vertriebene konnten zurückkehren, davon 1,1 Millionen aus dem Ausland. Achtzig Prozent der Vertriebenen, Tendenz steigend, nannten finanzielle Unterstützung als Hauptbeweggrund.

„In einer Situation, in der so viele Menschen seit über einem Jahr vertrieben sind, sind bei vielen die Ersparnisse aufgebraucht. Das verschärft ihre Verwundbarkeit und schwächt insgesamt die Resilienz der vom Krieg betroffenen Ukrainer:innen“, sagte Anh Nguyen, IOM Chief of Mission in der Ukraine.

"Landesweit sind weniger als die Hälfte der Vertriebenen derzeit beschäftigt. Die Entscheidungen über die Zukunft – umziehen, zurückkehren oder sich integrieren – treffen die betroffenen Haushalte meist nicht ohne ihre eigene finanzielle Notlage zu bedenken“, so Nguyen weiter.

Je länger die Vertreibung andauert, desto verletzlicher werden die Vertriebenen. Ohne ausreichende finanzielle Mittel haben sie kaum Einfluss auf eine langfristige Lösung: Integration oder Rückkehr. Fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten an einem Vertreibungsort bedeuten zum Beispiel, dass eine vertriebene Familie sich mit geringerer Wahrscheinlichkeit in diese Gemeinschaft integrieren wird. Wenn die Integration nicht gelingt, könnte dies zu einer verstärkten Abhängigkeit von negativen Bewältigungsmechanismen oder zu einer vorzeitigen Rückkehr führen, bevor dies sicher ist. 

Die Zahl ist besorgniserregend: 65 Prozent der Binnenvertriebenen leben in Haushalten mit einem Monatseinkommen pro Kopf von 4.666 UAH [126 USD] oder weniger. Das entspricht dem realen Existenzminimum. Die Daten belegen, dass die Spannungen zwischen den Gruppen innerhalb der ukrainischen Gemeinden zunehmen; Gründe dafür sind insbesondere unterschiedliche Berechtigungsstufen für soziale und humanitäre Hilfe. 

Dem Bericht zufolge zieht etwa ein Viertel der Binnenvertriebenen in Erwägung, ihren derzeitigen Aufenthaltsort zu verlassen; 3,3 Millionen Menschen möchten irgendwann zurückkehren. Als Hauptgrund nannten die Befragten den Wunsch nach einer Rückkehr zum normalen Leben bzw. das Vermissen der Heimat und andere sentimentale Gründe (64 %), gefolgt von der Absicht, mit der Familie wieder zusammenzukommen (25 %), dem Besitz einer Immobilie am Herkunftsort (22 %), wirtschaftliche Gründe wie die Möglichkeit, ein Einkommen zu erzielen (21 %) und das fehlende Sicherheitsgefühl am aktuellen Standort (3 %). 

Fast die Hälfte der Befragten kehrte aus einer anderen Region der Ukraine zurück. Ein Drittel der Vertriebenen kehrte innerhalb der eigenen Heimatregion nach Hause zurück, vor allem aus den Regionen Tschernihiw, Mykolajiw und Charkiw. Die Regionen, in die die meisten Menschen zurückkehrten, sind die Stadt Kyiv, Kyiv und Charkiw. Die Gebiete, aus denen die meisten Menschen zurückkehrten, sind die Stadt Kyiv, Lwiw und die Region Winnyzja. 

Von den 1,1 Millionen Personen, die aus einem anderen Land zurückkehrten, kamen die meisten aus Polen (39 %), gefolgt von Deutschland (9 %), Italien (7 %), Tschechien (6 %) und Bulgarien (5 %).  

Fünfzig Prozent aller Binnenvertriebenen befinden sich in fünf Regionen: Charkiw, Dnipropetrowsk, Kyiv und Odessa sowie die Stadt Kyiv. Diese Regionen sind seit Januar 2023 weiterhin die fünf wichtigsten Aufnahmeorte. Mehr als ein Viertel der Vertriebenen ist in ihrer Heimatregion oder sogar in ihrem Heimatbezirk geblieben – einerseits in der Hoffnung, zurückkehren zu können, sobald es sicher genug ist, oder andererseits, weil sie nicht weiterreisen können. Die Mehrheit der Vertriebenen stammt aus der Ostukraine. 

Die Daten über die Vertreibung wurden von der IOM im Rahmen einer Untersuchung der allgemeinen Bevölkerung der Ukraine Ende Mai 2023 mit dem Ziel erhoben, Informationen über Vertreibung, Mobilität wie auch über Absichten und Bedingungen zu sammeln. Die Daten sollen als Grundlage für gezielte Hilfe für die vom Krieg betroffene Bevölkerung dienen und sind eine wesentliche Ressource für das Verständnis des Ausmaßes der Vertreibung in der Ukraine. Sie tragen zur Erforschung der Motivationen, Absichten, Bedürfnisse und Bedingungen der von der Vertreibung betroffenen Menschen bei.  

Die Arbeit des Daten- und Analyseteams der IOM in der Ukraine wird durch die großzügige Unterstützung der Europäischen Union und der Regierungen von Kanada, Korea, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Belgien ermöglicht. 

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Für mehr Informationen wenden Sie sich bitte an Olivia Headon, Tel: +353833022648, Email: oheadon@iom.int