Story
08 Juni 2020
By: IOM Deutschland

Jerewan – Armen sitzt in seinem Büro und ist sehr beschäftigt mit der Beantwortung von Anrufen, E-Mails und WhatsApp-Nachrichten von Armenier:innen in Deutschland, die eine Rückkehr in ihr Herkunftsland erwägen. Er ist einer von vielen IOM Mitarbeiter:innen, der weltweit als virtueller Berater Migrant:innen detaillierte Informationen bezüglich eines Lebens in ihren Herkunftsländern zu Verfügung stellt, bevor diese eine Entscheidung bezüglich ihrer Rückkehr treffen.

Wenn Armenier:innen Armen anrufen, sprechen sie direkt mit jemandem vor Ort und erhalten verlässliche Informationen in ihrer Muttersprache. Armen beantwortet ihre Fragen zu Beschäftigung über Gesundheitsversorgung, bis hin zu Fragen zur Wohnungssuche und Bildung. Er informiert die Ratsuchenden über die Rückkehrhilfen und Reintegrationsmaßnahmen der deutschen Bundesregierung und von IOM. Das Beratungsgespräch mit den virtuellen Beratenden ist immer unvoreingenommen, anonym und kostenlos. Die Ratsuchenden in Deutschland können Amen anrufen, ohne dabei ihren Namen nennen zu müssen, oder bereits eine Entscheidung bzgl. ihrer Rückkehr getroffen haben zu müssen.

Die virtuelle Beratung geht über die reine Vermittlung von neutralen und aktuellen Informationen über die Situation im Herkunftsland hinaus. So ist die Beratung auch ein Prozess, in welchem die Vulnerabilitäten und Bedarfe der Migrant:innen identifiziert werden, da diese auch einen maßgeblichen Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Reintegrationsbemühungen haben.

Sollten die Ratsuchenden sich für eine Rückkehr entscheiden, unterstützen virtuelle Berater:innen, wie Armen sie in der Vorbereitung ihrer Rückkehr und Reintegration. Armen beschreibt: „Ich erkläre im Detail die einzelnen Schritte, wie die Rückkehrberatenden sie bei Flugtickets und mit den Dokumenten unterstützen.“

Bei der Ankunft gibt Armen seine Telefonnummer weiter, damit Rückkehrende ihn über Viber oder WhatsApp erreichen können. „Ich gehe nicht weg,“ sagt Armen. „Sie kennen mich und wissen, dass ich ihnen zur Seite stehe, das gibt ihnen Sicherheit.“

Die Menschen, die Armen kontaktieren, haben alle ihre ganz individuellen Geschichten: Viele denken über eine Rückkehr nach, weil sie den Eindruck haben, dass sich die Situation in Armenien verbessert hat. Andere kamen nach Deutschland in der Hoffnung auf ein besseres Leben – bessere Löhne, eine sichere Beschäftigung – dies zu erreichen stellte sich jedoch für viele als schwierig dar. Manche erhielten eine Ablehnung ihres Antrages auf Asyl und haben somit kein Aufenthaltsrecht mehr in Deutschland, was sie dann zu der Entscheidung einer ‚freiwilligen‘ Rückkehr bewegt.

Unter den älteren Menschen schwelgen viele in Erinnerungen an das Leben in ihrem Heimatland. "Mein Land, mein Wasser, meine Heimat ruft mich", ist ein häufiger Tenor. Sie erzählen ihm, dass sie sich in Deutschland nicht mehr wohl fühlen oder ihre Familien vermissen, die sie nicht nach Deutschland holen konnten.

Viele Menschen, die sich an Armen wenden, erkundigen sich nach der finanziellen Unterstützung, die sie bei einer Entscheidung zur Rückkehr im Rahmen der Programme zur freiwilligen Rückkehr und Reintegration (AVRR) erhalten würden sowie nach den erforderlichen Dokumenten und sogar nach ihren Flugdaten. In diesem frühen Stadium kann Armen die Menschen an Beratungsstellen bundesweit verweisen, wo sie einen Termin mit Rückkehrberatenden vereinbaren können. Viele haben auch Fragen zur Gesundheitsversorgung in Armenien. Armen erklärt ihnen, wie sie nach ihrer Rückkehr die staatliche Krankenversicherung in Anspruch nehmen können. Im Rahmen dieses Programms können die Rückkehrenden kostenlose Untersuchungen, Behandlungen und Medikamente erhalten.

Am schönsten finde ich es, wenn man nach einiger Zeit des Kontakts Vertrauen und Freude in ihren Stimmen spürt.

Wichtig ist, dass das Wohlergehen der Kinder während des gesamten Prozesses an erster Stelle steht – vom ersten Beratungsgespräch bis zur Reintegration. Tatsächlich machen sich die Eltern oft mehr Sorgen um ihre Kinder als um sich selbst. Viele Kinder kamen als Babys nach Deutschland oder wurden sogar in Deutschland geboren. Einige sprechen kein Armenisch, sodass sich die Eltern natürlich Sorgen um ihre Reintegration in die Schule in Armenien machen. Für diese Fälle klärt Armen über das Reintegrationsverfahren auf, durch das die Kinder Unterstützung erhalten können.

Wenn er über seine Arbeit spricht, denkt Armen darüber nach, "Teil eines Mechanismus zu sein, der nicht nur den Menschen hilft, sondern auch dem Land". Armenien steht vor einem demografischen Problem und einem Mangel an Fachkräften in allen Bereichen. Armen ist froh, dass er Menschen unterstützen kann, die an einer Rückkehr und Reintegration interessiert sind und einen Beitrag zur Wirtschaft ihres Landes leisten wollen. 

Neben seiner Rolle als virtueller Berater, unterstützt Armen die Migrant:innen auch nach ihrer Ankunft in Armenien. Er stellt ihre Zahlungen aus und begleitet sie bei ihrem Prozess der Reintegration. Das wertvollste an seiner Arbeit sei für ihn, wenn er sieht, dass dieser Prozess erfolgreich gelingt: "Am schönsten finde ich es, wenn man nach einiger Zeit des Kontakts Vertrauen und Freude in ihren Stimmen spürt.“ 

 

Unterstützung bei der freiwilligen Rückkehr

Wenn Sie mehr über die Programme zur freiwilligen Rückkehr und Reintegration erfahren möchten, finden Sie weitere Informationen auf ReturningfromGermany.de. Mit über 900 Beratungsstellen in ganz Deutschland ist es einfach, eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe zu finden.

Wenn Sie an einer Beratung in Ihrem Herkunftsland interessiert sind, können Sie sich mit einem virtuellen Berater wie Armen in Verbindung setzen, der Ihre Muttersprache spricht. Das virtuelle Beratungsprojekt ist in Armenien, Georgien und 17 weiteren Ländern aktiv. Sie können die virtuellen Berater:innen der IOM über WhatsApp, Skype, Viber und Facebook in der Sprache kontaktieren, die Ihnen am geläufigsten ist.

Die Rückkehr- und Reintegrationsprogramme werden durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Bundesregierung, die Bundesländer und die Europäische Union (EU) finanziert.